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PrittStift
Verfasst am: 30.09.2007, 16:08 Antworten mit Zitat
Site Admin Anmeldedatum: 16.01.2006 Beiträge: 468
In der taz habe ich einen interessanten ARtikel gelesen. Ich habe mir erlaubt diesen einfach mal rein zu kopieren. In vielen punkten stimme ich dem Schreiber des Artikels zu. Nur wenn sich die jetzigen Fair Handelshäuser zusammenschliessen und/oder nicht nur auf die Hochpreispolitik setzen wird sich der Faire Handel durchsetzen können.



Quelle: http://www.taz.de/index.php?id=start&art=5262&id=kommentar-artikel&src=ST&cHash=9fd1ac6810







Zitat:


Die Kommerzialisierung des Fair Trade funktioniert nur mit den richtigen Partnern



Faire Gegner



KOMMENTAR VON ULI ANDERS



Der faire Handel in Deutschland ist erfolgreich: Seit ein paar Jahren bewährt er sich auf dem Massenmarkt. Genau deshalb steht er am Scheideweg: Wenn die traditionellen Akteure weitermachen wie bisher, hat der faire Handel seinen Zenit bald überschritten. Den gro?en Reibach werden die Supermarktketten machen - und dabei das Vertrauen der Kundschaft verspielen. Den grö?ten Schaden davon hätten die Kleinbauern in den Entwicklungsländern, die heute dank des fairen Handels ein existenzsicherndes Auskommen haben.



Uli Anders ist seit 20 Jahren im fairen Handel aktiv. Heute ist er bei der Oxfam Deutschland Shops GmbH für den fairen Handel zuständig. Davor war er Geschäftsführer der Mitka GmbH, die etwa für El Puente und dwp Kaffee importiert.



Dass sich die traditionellen Fair-Handels-Akteure der Herausforderung des Massenmarkts erfolgreich stellen können, zeigt das Beispiel Gro?britannien. Dort gründeten 1991 die vier gro?en Fair-Handels-Importeure Oxfam, Traidcraft, Equal Exchange und Twin Trading zusammen die Firma Cafedirect. Ihr erklärtes Ziel: als attraktive Marke mit mehreren Sorten in alle Supermarktregale vorzudringen. Heute ist Cafedirect der viertgrö?te Röster und trägt erheblich dazu bei, dass 20 Prozent des in Gro?britannien verkauften Kaffees inzwischen aus fairem Handel kommen.



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Zu einem ähnlichem Schritt sind die Akteure des fairen Handels in Deutschland offenbar weder willens noch in der Lage. Transfair setzt in erster Linie auf die Zusammenarbeit mit den gro?en Supermärkten. Die traditionellen Händler des fairen Handels erfreuen sich an den respektablen Zuwachsraten, die sie in den letzten Jahren erreicht haben. Konkurrenz und Streitigkeiten untereinander haben es bisher verhindert, gemeinsam eine schlagkräftige Firma zu gründen, die einen Gro?teil des Wachstumsmarktes bedienen könnte. Stattdessen begnügt sich der faire Handel mit einem Marktanteil von einem Prozent und riskiert, dass Lidl und andere Supermärkte die ganze Idee in den Abgrund treiben.



Denn ausgerechnet der wegen seiner ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in Verruf geratene Discounter Lidl sprang im vergangenen Jahr als Erster auf den Zug auf - auch, um sein ramponiertes Image aufzupolieren. Seit einem Jahr vertreibt die Kette ein kleines Sortiment fair gehandelter Produkte unter dem Markennamen "fairglobe" - geadelt mit dem Transfair-Siegel. Lidl als Partner - das ramponiert den in den letzen Jahren aufgebauten Ruf des fairen Handels, und es ist auch nicht zu erwarten dass die extrem preisbewusste Lidl-Kundschaft den fairen Handel massiv voranbringt. Tatsächlich beruht der Gro?teil der von Transfair bejubelten Steigerungsraten nicht auf der Zusammenarbeit mit dem Discounter, sondern auf Produktgruppen, die erstmals das Siegel des fairen Handels tragen.



Doch Lidl ist nur der Anfang. Vor einigen Monaten kündigte eine Tengelmann-Sprecherin ebenfalls an, dass ihr Konzern im Rahmen der bisherigen Biomarke Naturkind künftig auch faire Produkte anbieten will. Langfristig werden die gro?en Supermarktketten nicht nur flei?ig fair gehandelte Eigenmarken verkaufen, solange das zusätzliche Einnahmen verspricht. Sie werden auch versuchen, Einfluss auf die Grundsätze des fairen Handels zu nehmen. Sollte es mal zu wenig fair gehandelten Kaffee von kleinen Genossenschaften geben, warum nicht den Handel auf Gro?plantagen ausdehnen? Die traditionellen Akteure des fairen Handels müssen sich zusammenschlie?en und sich gegen solche Versuche wehren, denn sonst ist die Gefahr gro?, dass das ursprüngliche Anliegen des fairen Handels unter die Räder kommt.



Insbesondere beim Hauptprodukt Kaffee geht es neben einem existenzsichernden Preis für die Bauern ja stets auch darum, kleine Produzenten dabei zu unterstützen, demokratisch aufgebaute Genossenschaften zu bilden, die Qualität ihres Kaffees zu verbessern und so ihre Exportchancen zu erhöhen. Ein weiterer Grundsatz des fairen Handels war immer schon die Kritik am Internationalen Handelssystem und den gro?en Konzernen, die zu mehr Gerechtigkeit und zur Förderung nachhaltiger Entwicklung bewegt werden sollen.



Die Grundsätze des fairen Handels wurden in den letzten 30 Jahren von den überwiegend ehrenamtlich betriebenen Weltläden, kirchlichen und unabhängigen Aktionsgruppen und engagierten Einzelpersonen entwickelt. Auch die Gepa und die anderen Händler des fairen Handels wie El Puente und Dritte Welt Partner waren dabei. Die Siegelorganisation Transfair übernahm in den 90er-Jahren diese Kriterien. Jetzt, beim Eintritt in den Massenmarkt, besteht die Herausforderung darin, diese Grundsätze zu verteidigen



Die Verantwortung dafür können nur die traditionellen Akteure übernehmen. Von den gro?en Handelsketten werden strenge Grundsätze nämlich in erster Linie als Umsatzhemmnisse wahrgenommen - die es zu beseitigen gilt. Die Möglichkeit, es sich weiter in der seit 30 Jahren aufgebauten "fairen" Nische gemütlich zu machen, gibt es jetzt nicht mehr. Der faire Handel verspricht Umsatzsteigerungen - davon wollen die Gro?en profitieren. Ihr Interesse ist aber rein kommerziell, und dieser Herausforderung muss sich der faire Handel endlich stellen.



An der Biobranche lässt sich studieren, was passiert, wenn die Gro?en Lunte riechen. Die Supermärkte bieten vergleichsweise günstige Produkte mit relativ niedrigen Standards an. Zugleich erleben aber zunächst auch die traditionellen Biomarken wie Demeter, Naturland etc. eine Ausweitung. Allerdings wächst unter den traditionellen Akteuren die Angst, dass Skandale dem gesamten Boom ein Ende bereiten könnten. Auch eine Aufweichung der Kriterien wird befürchtet - zu Recht. Die neuen Anbieter haben bereits versucht, die EU-Bioverordnung zu verwässern.



Was für die Biobranche gilt, ist für den fairen Handel noch um ein Vielfaches wichtiger: die Integrität der Akteure. Denn wer Bioprodukte kauft, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern vor allem für die eigene Gesundheit, verspricht sich also einen persönlichen Vorteil von der Produktwahl. Beim Kauf fair gehandelter Produkte ist dies nicht der Fall. Für den höheren Preis will der Kunde dazu beitragen, dass die Produzenten in der dritten Welt besser leben, ihre Kinder zur Schule schicken und in eine bessere Zukunft blicken können. Deshalb fragen sich die Käufer zu Recht: Kommt der höhere Preis wirklich bei denen an, die es nötig haben? Discounter wie Lidl sind dafür sicher keine Garanten.



Zwar ist es auch der Gepa - dem mit 50 Millionen Euro Umsatz mit Abstand grö?ten fairen Händler in Deutschland - gelungen, einige seiner Produkte in vielen Supermärkten zu platzieren. Doch das Unternehmen setzt ausschlie?lich auf hohe Qualität und entsprechende Preis. Für das traditionelle Marktsegment in den Weltläden ist das sicher eine richtige Entscheidung. Aber den Zuwachsmarkt im stark preisorientierten Lebensmittelhandel werden langfristig andere unter sich ausmachen, Gepa-Produkte wird es dort nicht mehr geben. Es ist höchste Zeit, dass der faire Handel sich den aktuellen Herausforderungen stellt.
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Tobias
Verfasst am: 01.10.2007, 19:30 Antworten mit Zitat
GAU - Größter anzunehmender User Anmeldedatum: 21.01.2006 Beiträge: 291
Über die Hochpreis-Politik der GEPA haben wir ja schon öfter diskutiert. Ich sehe auch die Gefahr, dass die GEPA sich damit in eine Nische manövriert. Mein Vorschlag war, dass die GEPA zweigleisig fahren sollte und sich mit einer "Billigmarke" (fair aber nicht unbedingt bio und vielleicht auch weniger hochwertige Zutaten) sich auch andere Marktsegmente erschlie?en sollte.

Der Gedanke eines Zusammenschlusses der gro?en ATOs ist neu. Ob es gleich eine Fusion sein muss möchte ich offen lassen, aber eine Zusammenarbeit, die beiden Seiten, also Importeuren und Weltläden nutzt, wäre schon wünschenswert. Das beginnt damit, nicht die gleichen Produkte unter unterschiedlichen Labeln zu verkaufen (Preda-Mangos) oder Produktlinien nachzuahmen (Pflaume-Zimt-Schokolade gegen Zotter) und könnte bis zu einem gemeinsamen Vertrieb gehen. Für den Einzelhandel ist es selbstverständlich, dass man von einem Gro?händler beliefert wird. Warum sollte das nicht auch für die Weltläden gelten? Ich fände es eine gro?e Erleichterung, wenn es einen gemeinsamen Vertrieb gäbe, wo man gesammelt (am besten aus einem Katalog/Onlineshop) bestellen kann und dann aus einer Hand beliefert wird zu einheitlichen Konditionen. Leider geht der Trend im Moment aber eher in die andere Richtung, da die ATOs versuchen, durch neue Rabattstrukturen (nach der GEPA jetzt auch dwp) möglichst viele Umsätze an sich zu binden.
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